Kurzer historischer Abriss zur Christus-Kirche Duisburg-Neudorf

Der Duisburger Stadtteil Neudorf ist 1770 gegründet worden. Die Bewohner gingen über einhundert Jahre lang in eine der Innenstadtkirchen zum Gottesdienst. 1895 wurde die Lutherkirche als evangelische Gottesdienststätte für die beiden Stadtteile Duissern und Neudorf errichtet. Aufgrund ihrer Lage in Duissern und dem starken Anwachsen der Bevölkerung in Neudorf konnte sie allerdings dieser Funktion nicht angemessen gerecht werden. Bereits 1898 diskutierte das Presbyterium Pläne, ein eigenes Kirchengebäude für Neudorf zu errichten. Nach Gründung der siebten Pfarrstelle innerhalb der evangelischen Gemeinde Duisburg konnte 1901 der Gemeindeteil Neudorf-Duissern in zwei Pfarrbezirke geteilt werden. Gottesdienste für den Pfarrbezirk Neudorf fanden zunächst im Neudorfer Gemeindehaus statt.

Im gleichen Jahr schrieb die Gemeinde für den projektierten Kirchenneubau einen beschränkten Architektenwettbewerb aus, beteiligt waren Prof. Ratzel (Karlsruhe), Prof. Frentzen (Aachen), Baurat March (Charlottenburg) sowie Architekt Maack (Rheydt). Otto March hatte zuvor die Pläne für die Lutherkirche in Duissern entworfen, Friedrich Ratzel war durch den Neubau des Duisburger Rathauses hervorgetreten. Aufgrund eines Gutachtens von Friedrich von Thiersch bestimmte die Gemeindevertretung schließlich den von Friedrich Ratzel vorgelegten Entwurf zur Ausführung.

Entwurf des Architekten Prof. Friedrich Ratzel

In der Folgezeit stellte sich allerdings heraus, daß der vergleichsweise aufwändige Werksteinbau innerhalb der vorgesehenen Bausumme von 325.000 Mark nicht zu errichten war. Die Gemeinde reagierte hierauf mit einer Verringerung des Bauumfangs von ursprünglich 1.050 auf 850 Sitzplätze. Die Vorarbeiten zur Errichtung der Kirche begannen am 11. August 1905, die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober 1905, und am 20. Mai 1908 wurde die Christuskirche feierlich eingeweiht.

Die Christuskirche 1908

Baubeschreibung

An das Hauptschiff, dessen westlicher Abschluss durch einen Renaissance-Giebel markiert ist, schließt sich im Osten ein Pseudo-Chor an. Im Äußeren wird er betont durch das aus der Ostwand heraustretende große blinde Rundbogenfenster. Dieser Osttrakt nimmt im Erdgeschoß die Sakristei mit Nebenräumen auf, der Platz darüber bildet die zum Kirchraum geöffnete Orgelempore.

Die Christuskirche um 1930

Der Turm steht in der Südostecke des Kirchbaus. Er verbindet den Chorbau im Osten mit dem Seitenschiff im Süden, so dass sich insgesamt ein rechteckiger Grundriss ergibt. Das oberste Turmgeschoß ist klassisch im Sinne des Renaissance-Charakters des Baus gestaltet. Rundbogige Fensterpaare werden durch Halbsäulen umrahmt, die auf einem Sockel ruhen und die das nach oben abschließende, schwere Gebälk tragen. Das Turmdach selbst ist in der Form einer mehrfach abgestuften barocken Haube samt achtseitiger offener Laterne gestaltet.

Die Christuskirche nach 1945

Die Südseite der Kirche ist zum Neudorfer Markt hin als Schauseite gestaltet. Während an der Südostecke der Turm einen starken Akzent setzt, bildet ein Gegengewicht an der Südwestecke das risalitartige Treppenhaus samt Uhr unter einem geschweiften Giebel. Zwischen Turm und Risalit im Westen erstreckt sich das zweigeschossige Seitenschiff, dessen Wand durch je vier große Fenster rhythmisch gegliedert ist.

Die Christuskirche 2015 (außen) und 2011 (innen)

Das Innere der Christuskirche, ursprünglich bestimmt durch eine kassettierte halbrunde Decke und eigenwilliges neobarockes Dekor, wurde nach den Kriegszerstörungen in sehr schlichten Formen wiederhergestellt. Den Raumabschluß bildet nun eine Flachdecke. Die Orgel wurde 1958-60 von der Firma Hammer erbaut. Sehenswert sind die Fenster, besonders in der Nordwand: sie wurden 1962-66 nach Entwürfen von Werner Habig gestaltet. Von ihm stammt auch die bronzene Taufe sowie die bronzenen Altarleuchter.

links: Südwand. mitte, rechts: Nordwand

Die Glocken

Das heutige Geläut besteht aus fünf Glocken: f – g – a – c‘ – d‘ .

Nur die kleinste Glocke des Geläuts von 1906 (Bronze, Gießerei Pfeifer, Kaiserslautern) - drei Glocken mit den Schlagtönen d, e, f - überstand die Zeit der Nazi-Herrschaft: „Christus der König“ Schlagton f, 720 kg. Die zwei größeren Glocken wurden beschlagnahmt. Sie ist nun die tiefste Glocke des heutigen Geläutes. 1998 wurden die drei Glocken des Geläutes des aufgegebenen Gemeindehauses Walsum-Aldenrade (Bronze, Gießerei Petit&Edelbrock Gescher, 1955) erworben: „Ich bin das A und O“ Schlagton a, 520 kg. „Siehe ich komme bald“ Schlagton c‘, 310 kg. „Betet ohne Unterlass“ Schlagton d‘, 210 kg. Dazu wurde 1999 eine fünfte Glocke neu gegossen, sie läutet täglich um 12 und 19 Uhr: „Christus unser Friede“ Schlagton g. Die Kosten der Sanierung des Turmes, die zur Aufnahme der aus den Mitteln des Freundeskreises angeschafften Glocken notwendig wurde, belasten die Gemeinde bis heute.

Hörbeispiele auf youtube: MittagsläutenDie „Walsumer“ Glocken, Vollgeläut zu Neujahr 2017

Hier die einzelnen Glocken:

Christus der König

Christus unser Friede

Ich bin das A und O

Siehe ich komme bald

Betet ohne Unterlass

links: Christus der König – mitte: Christus unser Friede – rechts: Ich bin das A und O

Vorläufige Schließung der Kirche

Im Oktober 2011 ergab eine statische Untersuchung, dass die Zwischendecke, die nach dem Kriege eingebaut wurde, sowie der Dachstuhl den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen. Daher hat das Presbyterium beschlossen, dass Gottesdienste und Veranstaltungen nicht mehr in der Christuskirche, sondern nur im Gemeindesaal oder im Konfirmandenraum stattfinden. Der restaurative Umbau der Kirche sowie ein Neubau eines Gemeindezentrums neben der Kirche sind anvisiert.

Weitere Informationen bietet die Festschrift „100 Jahre Christuskirche“, sie liegt im Gemeindehaus und im Konfirmandenraum aus.

aktuelle Fotos und Audios: Volker Nies